Bahnhof
Bad Radkersburg, 08.IV.2026
Bundesminister KommR.
Peter Hanke
Radetzkystraße 2
Postfach 201
A 1000 Wien
kbm@bmimi.gv.at
Geplante
Einstellung des Personenverkehrs auf der Thermenbahn
Sehr geehrter
Herr Bundesminister KommR Peter Hanke,
als regionale
Vertreter der süd- und oststeirischen Bahnkunden und Pendler machen wir uns
aktuell große Sorgen um den Verbleib des Personenverkehres auf der 77,386
Kilometer langen Thermenbahn zwischen Fehring und Friedberg. Als
Verbindungsbahn zwischen der Steirischen Ostbahn und der Wechselbahn würde hier
eine unangenehme Lücke entstehen, die „dental gesehen“ einer dringenden
„Regulierung“ bedarf – so unsere Meinung.
In mehrerlei
Hinsicht sehen wir eine Einstellung des Personenverkehrs auf dieser Strecke als
sehr problematisch. Gerade der öffentliche Verkehr, wie auch die Gesundheit
oder die Landesverteidigung ist eine immens wichtige Sozialleistung des Staates
für seine Bürger. Aufgrund der global politisch instabilen Lage erreichen die
Treibstoffpreise auch bei uns in Österreich wieder einmal ungeahnte Höhen,
weswegen wir für die Österreicher und Österreicherinnen den öffentlichen
Verkehr weiter ausbauen müssen und nicht über Streckeneinstellungen nachdenken sollten.
Doch nicht nur der leistbare Personenverkehr für die Steuerzahler ist hier als
Argument anzuführen.
Die Demographie zeigen uns,
dass die urbanen Zentren einen enormen Zuzug erleben, während die Peripherie
mit Abwanderung zu kämpfen hat – aktuell aus wirtschaftlichen Gründen und
teilweise leider auch durch jahrzehntelange verfehlte Standort-Politik.
Die Klimamodelle zeigen uns
aber auch, dass genau diese „überladenen“ Ballungszentren schon mittelfristig
„überhitzen“ werden, da Verkehr, Hausbrand und vor allem die
Flächenversiegelung durch Asphalt und Beton die lokalen
Durchschnittstemperaturen signifikant um bis zu 8°C steigen lassen werden.
Fazit: In den Ballungsräumen
wird es bald zu heiß, um dort andauernd gut leben zu können!
Wichtig wird daher sein, dass
es dann noch ausreichend CO2 neutralen, leistbaren Öffi Verkehr
geben wird, der uns in die Fläche bedient und die Situation nicht zusätzlich
verschlimmert.
Wir plädieren daher auch aus
ökologischen Gründen für den dringenden Ausbau, und vor allem für die
Elektrifizierung der Thermenbahn. Der Verein Fahrgast hat hier schon sehr
konkrete und sinnvolle Vorschläge dazu in einer Studie präsentiert. Langfristig
ist auch die Elektrifizierung der Bahnlinie sinnvoller und auch
wirtschaftlicher als bspw. der Betrieb mit einem batteriehybriden
Akkutriebwagen.
Ganz nebenbei ergeben sich
dabei auch Synergieeffekte. Ob als Ausweichrute für die Südbahn von Wien
Richtung Süden im Falle eines Unfalles (Frohnleiten 2007), eines technischen
Gebrechens (Brückeneinsturz Frohnleiten 2015) einer Naturkatastrophe, oder als
wichtige Schülerverbindung zwischen Graz-Fehring-Hartberg und Wien. In diesem
Zusammenhang sei auch wieder einmal erwähnt, dass wir von der
Interessensgemeinschaft „Neue Radkersburger Bahn“ die Wiedereinführung des
„Oststeirers“ von Wien mit umstiegsfreiem Kurswagen bis nach Bad Gleichenberg
zum Vorteil der Landesberufschule, des Kurortes, und der Therme, oder aber auch
nur für den immer stärker werdenden Fahrrad Tourismus vorgeschlagen haben.
Es wäre außerdem
kontraproduktiv ein Klimaticket anzubieten, die Ticket Preise zu erhöhen und
nebenbei das Angebot durch Regionalbahnschließungen zu verringern.
Wenn wir die Thermenbahn
endgültig aufgeben, werden wesentliche Verkehre Richtung Ungarn umgeleitet.
Verkehre, von denen wir dann nicht mehr profitieren können und die uns wieder
auf die Straße zwingen. Zu guter Letzt sei noch erklärt, dass die Regionalbahnen
die Zubringer und Zuflüsse der Hauptstrecken aus der Fläche sind. Die
Koralmbahn bspw. hätte nicht so einen durchschlagenden Erfolg, gäbe es die
vielen „Zubringer“ aus der Fläche nicht!
Sehr geehrter Herr
Bundesminister, uns ist klar, dass Sie natürlich nach Absprache mit den
Experten der ÖBB solche Entscheidungen treffen. Fast 200 Eisenbahnkreuzungen
wären aufzulassen, zusammenzulegen und technisch zu sichern. Kein Einsatz der
Cityshuttle Garnituren aufgrund zu geringer Kurvenradien. Eine Elektrifizierung
würde ebenso 100 bis 120 Mio. Euro kosten. Aus diesen Gründen wird die ÖBB mit
einer Weiterführung nie einverstanden sein und zur Einstellung des
Personenverkehres anraten.
Ich erinnere in diesem
Zusammenhang an den Verkehrsminister Jörg Leichtfried, dem die ÖBB-Experten
2017 noch den Verkauf der Radkersburger Bahn um einen Symbolischen Euro an die
STLB oder die GKB angeraten haben, ehe Frau Bundesminister Gewessler aufgrund
einer politischen Willensäußerung am 03.07.2021 den Ausbau der Radkersburger
Bahn angeordnet und budgetiert hat. Plötzlich waren auch die ÖBB-Experten
„Feuer und Flamme“ für die Attraktivierung der Radkersburger Bahn und haben
diese Entscheidung auf Ihre Fahnen geheftet und werben nun mit dem
zukunftsfitten Ausbau und der ökologischen Weitsicht!
Fazit: Egal was die Experten
der ÖBB sagen, es wird immer eine politische Entscheidung bleiben, ob wir den
Steuerzahlern (und wir zahlen aktuell einen der höchsten Steuersätze in der
zweiten Republik) die das System finanzieren etwas weitsichtig, sinnvolles zurückgeben,
oder nicht!
Ja, wir können jetzt etwas
gegen den Klimawandel tun und dafür sorgen, dass wir alternative Verkehre mit
reinem österreichischem Bahnstrom schaffen – unabhängig von global gesteuerten
Treibstoff „Berg- und Talfahrten“. Wir sind davon überzeugt, dass wir bei
sinnvollem Einsatz unserer Steuergelder einen Ausbau der Thermenbahn
finanzieren können und dass es sich dabei um ein Projekt handelt, von dem
Generationen profitieren können – ein Ausbau, der sich lohnt.
Gerne würde wir mit Ihnen
dieses für unsere Region so wichtige Thema persönlich besprechen und bitten um
einen Termin für eine Vorsprache im Verkehrsministerium, sofern es Ihr straffer
Terminplan zulässt.
Es grüßt Sie besonders recht
freundlich von der Radkersburger Bahn
Armin klein
Obmann der
Interessensgemeinschaft
“Neue Radkersburger Bahn“ |