Thermenbahn
erhitzt die Gemüter, aber nicht das Klima.
Die
Hitzetage im Sommer werden mehr und heißer. Es ist an mehreren
aufeinanderfolgenden Tagen bereits so heiß, dass es auch in den Nachtstunden
nicht mehr ausreichend abkühlt. Anstatt Gegenmaßnahmen zu treffen, überlegen
sogenannte Verkehrsexperten sogar eine Schließung des Personenverkehrs auf der
Thermenbahn zwischen Fehring und Hartberg. Aber gerade in den Städten wie Graz
und Wien sinkt die Lebensqualität in den Sommermonaten direktproportional mit
der steigenden Temperatur. Wer kann, flüchtet auf das Land. Eine „Fluchtroute
für Hitzegeplagte“ im öffentlichen Verkehr zu schließen ist daher destruktiv
und kurzsichtig. Jetzt wo auch die Austrian Airlines die Direktverbindung
Graz-Wien einstellt, braucht es dringender, denn je diesen Zubringer aus der
Fläche, um Wien und Niederösterreich für die Steirer erreichbar zu halten.
Sobald der Semmering Basistunnel fertig ist und sich die Personenzüge auf der
Südbahn beinahe auffahren, ist außerdem eine Umleitungs- und Ausweichrute in
den Süden unabdingbar.
Bis auf ein paar ewig Gestrige,
die meinen es war im Sommer immer schon heiß und die Klimadiskussion sei nur
„Klimahysterie“ ist den meisten völlig klar, dass wir an hohen Temperaturen im
Sommer zukünftig stärker zu leiden haben werden. Gerade jetzt merken wir, dass
die Temperaturen in Graz, Wien, usw. nicht einmal in den Nachtstunden
wesentlich herunter gehen und dass die Lebensqualität in den Städten mit zunehmenden
Temperaturen massiv sinkt. Nicht so am Land, dort wird es nachweislich
erträglicher bleiben, da sich Wald, Felder und Wiesen nicht so stark erhitzen,
wie Asphalt und Beton. Diejenigen, die
für hektarweise Flächen-versiegelungen verantwortlich zeichnen, wollen uns
jetzt erklären, dass wir uns die Thermenbahn nicht mehr leisten können. Im
gleichen Atemzug machen Sie aber Millionenbeträge locker, um Autobahnen und
Schnellstraßen neu zu bauen, wo keiner fragt, ob wir das Geld überhaupt haben.
Auch die strategischen Planer der ÖBB sind nicht sonderlich motiviert diese,
für die Region so wichtige Strecke zwischen Fehring und Friedberg zu erhalten. Man
hat eher den Eindruck, man will hier Arbeit und vor allem Kosten so schnell wie
möglich loswerden, aber das kennen wir ja auch schon von der Radkersburger Bahn
anno 2017, wo man uns unbedingt, und wenn auch nur um einen einzigen symbolischen
Euro, an die StlB oder die GKB verscherbeln wollte.
Daher ist
der Erhalt des Personenverkehres der Thermenbahn eine rein politische
Entscheidung.
Die Frage ist natürlich, ob
aktuell in der Steiermark diejenigen Kräfte am „Ruder“ sind, die auch ein
Verständnis für diese Problematik im Stande sind zu entwickeln. Ganz nebenbei
geht es auch um eine Vielzahl von regional wertvollen Arbeitsplätzen vom
Triebfahrzeugführer, Zugbegleiter, Streckenerhaltung und viele andere mehr. Ich
schätze, dass hier rund 150 bis 200 wertvolle Arbeitsplätze in der Region
wackeln, Arbeitsplätze, die hier dringend gebraucht werden und die wichtige
Wertschöpfung in die Oststeiermark bringt. Eine Folgewirkung des Verlustes
dieser Arbeitsplätze könnte in weiterer Folge auch sein, dass vielleicht die
ganze ÖBB-Dienststelle Fehring geschlossen, und nach Graz umgesiedelt wird. Auch
in Bad Radkersburg schreckte man nicht davor zurück eine gutgehende und
ausgelastete Orthopädie zu schließen und rund 100 Arbeitsplätze zu vernichten –
die Vorstufe zur Gesamtschließung des LKH ist damit erreicht, aber das nur
nebenbei.
Vor allem die lokale
Bevölkerung von Fehring bis Hartberg würde an der Schließung des
Personenverkehrs enorm leiden, da die regionale Erreichbarkeit für ein riesiges
Gebiet massiv leiden würde. Schülerverkehr, Tages- und Wochenpendler aber auch
der ganze Radtourismus ist ohne Thermenbahn enorm gefährdet, weil auch der
Busverkehr bei Weitem nicht die gleiche Transportqualität liefern kann, wie die
Bahn. Nachdem bekannt wurde, dass auch die Austrian Airlines ihre Flüge von
Graz nach Wien einstellen will, ist die Themenbahn als Zubringer aus der Fläche
wichtiger denn je, um aus der Oststeiermark nach Niederösterreich und Wien zu
gelangen. Auch die Erfolgsgeschichte des Klima Tickets würde einen enormen
Dämpfer erleiden, wenn es diese wichtige Verbindung nicht mehr gäbe.
Summa Summarum wäre die einzige
langfristig sinnvolle und zukunftsträchtige Entscheidung daher: Ausbau, Begradigung,
Attraktivierung und vor allem Elektrifizierung der Thermenbahn von Fehring bis
nach Friedberg. Da gerade die steirische Ostbahn von Graz nach St. Gotthard
elektrifiziert wird (Endausbau 2028 abgeschlossen), wäre die elektrische
Traktion auf der Verlängerung Fehring – Friedberg nur die logische
Konsequenz. Da auch der aktuelle
Fahrplan eine Zumutung für jeden Fahrgast ist, und stark an die Fahrplan
Ausdünung anno 1970 erinnert, gilt es auch endlich eine modernen Taktverkehr zu
erstellen. Was hier aktuell angeboten wird, ist eine Zumutung für jeden
Fahrgast und soll wohl zum Umstieg auf das Auto motivieren – offensichtlich
auch von den Verkehrsexperten der ÖBB so ausgedacht und gewollt.
Um zu demonstrieren und
aufzuzeigen in welchem technischen Zustand sich die völlig vernachlässigte Thermenbahn
befindet, plant die Interessensgemeinschaft „Neue Radkersburger Bahn im Herbst
2026 einen Sonderzug von Fehring nach Hartberg und wieder retour. Wir laden
echte Experten ein, um zu besprechen, wie eine attraktive Thermenbahn
kostengünstig und modern betrieben werden kann und die Fahrgastzahlen wieder diejenigen
Werte erreichen, die einer Region mit rund 175000 Einwohnern entspricht.
Hauptaugenmerklich gilt es ein
Konzept zu erstellen, um die 80 technisch nicht gesicherten Eisenbahnkreuzungen
zusammen zu legen, zu schließen oder technisch zu sichern. Nur dann ist
gewährleistet, dass die Fahrgeschwindigkeit so weit angehoben werden kann, dass
mit so wenig wie möglich an Triebwägen, der bestmögliche Taktverkehr auf der
Thermenbahn hergestellt werden kann. Bei weiterer Begradigung und vor allem
Elektrifizierung der Strecke kann aus der Themenbahn tatsächlich eine weitere
attraktive und moderne Verkehrsachse nach Wien entstehen, mit der man mit dem
Klimaticket konkurrenzlos günstig und bei entsprechendem Ausbau konkurrenzlos
schnell ist. In jedem Fall wäre die Themenbahn konkurrenzlos umweltfreundlich.
Für die Interessensgemeinschaft
„Neue Radkersburger Bahn“
Armin klein, Obmann
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